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Uranabbau im Westen Deutschlands

(Peter Diehl, Okt. 1991)

Text aus: Tagungsband - Tagung der Bürgerinitiativen gegen Uranabbau in Europa, Zwickau (Sachsen) 1.-3.8.1991, Herausgeber: Bürgerinitiative gegen Uranabbau im Südschwarzwald, Bürgerinitiative Oberrothenbach
Photos: P. Diehl

 

Inhalt

  1. Uranbergwerk Menzenschwand
  2. Weitere Uranbergwerke
  3. Uranerzaufbereitungsanlage Ellweiler


Seit 1956 wurde in der damaligen Bundesrepublik Deutschland nach Uran gesucht. Zwar wurden in den meisten Mittelgebirgen Uranvererzungen gefunden, doch erwiesen sich nur wenige davon als wirtschaftlich interessant. Nur einige davon wurden zeitweise in Versuchsbergwerken abgebaut. Mit dem Verfall der Uranpreise in den achtziger Jahren waren auch diese Lagerstätten nicht mehr konkurrenzfähig, so daß es in der alten Bundesrepublik nie zu einem kommerziellen Abbau kam.

> Übersichtskarte Gesamtdeutschland

 

1. Uranbergwerk Menzenschwand

Die bedeutendste Uranlagerstätte im Westen Deutschlands, Menzenschwand bei St.Blasien im Südschwarzwald, wurde 1957 entdeckt. Es handelt sich um eine hydrothermale Lagerstätte an der Grenze zwischen Granit und Gneis. 1961 begann die niedersächsische Bergbaufirma Gewerkschaft Brunhilde (später GmbH) mit Schürfarbeiten. Nach dem Versiegen von Trinkwasserquellen mußten die Arbeiten 1963 eingestellt werden. Ab 1973 wurden die Arbeiten wieder aufgenommen. In der Folgezeit wurde zur Erkundung des Vorkommens ein Schacht angelegt, der später eine Tiefe von über 240 m erreichte und von dem alle 30 m Stollen ausgehen, die dem Verlauf des Erzganges folgen. Das bei diesen Arbeiten anfallende Erz wurde per Bahn über eine Entfernung von 400 km in die Aufbereitungsanlage im rheinland-pfälzischen Ellweiler gebracht. Jährlich wurden auf diese Weise zwischen 4000 und 10000 t Erz verarbeitet und daraus 30 bis 70 t Uran gewonnen. Die Untersuchungen ergaben sichere Vorräte von 1500 t Uran und wahrscheinliche Vorräte von 5000 t Uran, bei einem vergleichsweise hohen mittleren Urangehalt des Erzes von 0,7 % bis 1 %.

Grubenportal Menzenschwand Okt. 1984
Grubenportal Menzenschwand Okt. 1984

1982 beantragte die Bergbaufirma eine Bewilligung zum kommerziellen Abbau des gefundenen Urans. 50 Jahre lang sollten jährlich 10000 t Erz abgebaut werden und zu 70 bis 100 t Uran verarbeitet werden. Die zuständige Landesregierung befürwortete zunächst den geplanten Abbau. Bald darauf gründete sich eine Bürgerinitiative, die mit umfangreicher Informationsarbeit an die Öffentlichkeit trat und insbesondere mit der Aufdeckung extrem hoher Radioaktivitätswerte im von den Grubenabwässern kontaminierten Bach Aufsehen erregte (Radium-226 im Sediment: 370000 Bq/kg statt der behaupteten 370 Bq/kg).

> Skizze mit Meßwerten 1978 (KfK) und 1982 (LfU) (Animation)

Daraufhin sprachen sich die Einwohner von Menzenschwand anläßlich einer Bürgerversammlung geschlossen gegen die Genehmigung des Abbaus aus. Bald darauf schwenkte auch die Landesregierung um und lehnte 1983 die Bewilligung des Abbaus ab, da er mit den Interessen von Naturschutz und Fremdenverkehr kollidiere. Außerdem solle das Uran als Reserve für Notzeiten im Boden bleiben ("In-Situ-Konzept"). Die Bergbaufirma ging gerichtlich gegen diese Ablehnung vor und verlor in der ersten Instanz: Das Verwaltungsgericht Freiburg lehnte den Abbau 1984 allein schon deshalb ab, da das Bergwerk in einem Naturschutzgebiet liegt. In zweiter Instanz gab der Verwaltungsgerichtshof Mannheim 1988 der Firma recht: Das Bergbaugesetz räume der Sicherung von Rohstoffen Vorrang vor dem Naturschutz ein. Wenn das Uran nicht abgebaut werde, saufe das Bergwerk ab und das Uran sei verloren. Während der gerichtlichen Auseinandersetzung lief der "Versuchsabbau" unverändert weiter.

Die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts in Berlin als dritter und höchster Instanz stand noch aus, als die Firma am 2.5.1989 überraschend mitteilte, die Abbaubewilligung nicht weiter zu verfolgen und das Bergwerk Ende 1990 schließen zu wollen. Mittlerweile hatte sie nämlich Schwierigkeiten bekommen mit ihrer Uranaufbereitungsanlage in Ellweiler: Die dortigen Behörden drohten mit der Schließung der Anlage, da die von den Abfallhalden ausgehenden Strahlenbelastungen zu hoch seien. Am 31.5.1989 wurde die Anlage in Ellweiler dann endgültig geschlossen. So mußte sich die Firma nach einer anderen Möglichkeit umsehen, die etwa 8000 t Erz, die bis zur Schließung der Grube noch anfallen würden, verarbeiten zu lassen. Die fand sie dann in der tschechischen Anlage MAPE bei Budweis. Später gab es aber auch hier Schwierigkeiten (der Vertrag war ausgelaufen und wurde nach anfänglichem Zögern von tschechischer Seite nach Protesten von Umweltschützern nicht mehr erneuert). Das restliche Erz wurde dann zur Aufbereitung nach Frankreich gebracht, zur Anlage Bessines bei Limoges.

Als die Arbeiten zum Leerfahren und Schließen der Grube immer schleppender vorangingen und schließlich ganz zum Stillstand kamen, wurde offensichtlich, daß die Firma zahlungsunfähig geworden war. Schließlich sprang das Land Baden-Württemberg ein und setzte die Abschlußarbeiten mit Steuergeldern fort. Die Landesregierung hofft, die Schließungskosten in Höhe von 3 Mio.DM zum größten Teil mit dem Verkauf des dabei anfallenden Urans hereinzubekommen. Das letzte Erz wurde im Juli 1991 aus der Grube herausgeholt; bis Ende des Jahres soll das Bergwerk geflutet und das Gelände rekultiviert sein. Am 19.7.1991 wurde das Konkursverfahren über die Firma Gewerkschaft Brunhilde eröffnet.

Insgesamt erhielt Gewerkschaft Brunhilde während ihrer 30-jährigen Tätigkeit in Menzenschwand Forschungsgelder in Höhe von 27,3 Mio.DM, weitere 10,3 Mio.DM kamen vom Wirtschaftsministerium. Wie erst sehr spät festgestellt wurde, konnte die Firma für einen Teil der Gelder keine Abrechnungsbelege vorweisen. Die daraufhin verlangten Rückforderungen belaufen sich angeblich auf 3 Mio.DM und trugen offensichtlich mit zur Zahlungsunfähigkeit der Firma bei.

An Gefahren, die von dem Bergwerk während des Betriebs ausgingen, wären zunächst einmal die außerordentlich hohen Radon-Werte in der Grube zu nennen: Bis 1984 betrugen sie 44000 Bq/m3, ab 1986 nach Verdreifachung der Lüfterleistung immer noch 14000 Bq/m3. Daraus berechnete sich für die Bergleute eine jährliche Lungendosis von 90 rem, das sechsfache des Grenzwerts nach Strahlenschutzverordnung.

Durch die intensive Grubenbelüftung erhöhte sich der Radon-Pegel von 20 Bq/m3 in der Umgebungsluft im Winter auf 40 Bq/m3 und im Sommer auf 60 Bq/m3. Auf die Abwasserproblematik wurde schon hingewiesen. Infolge der aufgedeckten Probleme mit den Grubenabwässern wurden vom Bundesforschungsministerium öffentliche Gelder in Millionenhöhe für eine Verbesserung der Abwasserreinigung der Grube bereitgestellt, wodurch die Abwasserbelastung dann tatsächlich zurückging.

Die über die Abluft und das Abwasser in die Umgebung freigesetzte Radioaktivität gelangt in die Nahrungskette und kann bei Verzehr vorwiegend einheimischer Produkte zu einer sechsfachen Überschreitung der Dosisgrenzwerte führen, wie in einem Gutachten des Bundesgesundheitsamtes berechnet wurde.

Bei der Schließung des Bergwerks konzentriert sich die Aufmerksamkeit auf die radioaktive Belastung der Grubenabwässer. Erst nach Protesten von Umweltschützern wurde ein Überwachungsprogramm vorgesehen, das die Auswirkungen der Schließung verfolgt und einen Weiterbetrieb der Abwasserreinigung solange wie notwendig gewährleistet.

 

2. Weitere Uranbergwerke

Am Rande des Nordschwarzwaldes wurde im Sandstein zwischen Baden-Baden und Gernsbach die Uranlagerstätte Müllenbach entdeckt und seit 1973 mit Hilfe von Bohrungen und Untersuchungsstollen erkundet. Die sicher nachgewiesenen Uranvorräte betragen 3000 t, weitere gelten als wahrscheinlich. Der Urangehalt im Erz beträgt allerdings mit 0,2 % nur etwa ein Viertel von dem in Menzenschwand. In Sorge um ihre Thermalquellen verbot die Stadt Baden-Baden der Betreiberfirma Saarberg-Interplan Uran in der Folgezeit jegliches Betreten städtischen Grund und Bodens. Vor Gericht unterlag die Stadt jedoch 1985 vor dem Verwaltungsgerichtshof Mannheim. Wegen der sinkenden Uranpreise hat die Firma die Arbeiten inzwischen dennoch eingestellt und mit der Rekultivierung der in Anspruch genommenen Flächen begonnen.

Mahnstein im Waldbachtal bei Gernsbach, 1986
Mahnstein im Waldbachtal bei Gernsbach, 1986

Nahe der tschechischen Grenze in Nordost-Bayern hat Gewerkschaft Brunhilde bei Mähring und bei Poppenreuth (Kreis Tirschenreuth) zwei Uranvorkommen ausgebeutet. Die Arbeiten ruhen jedoch schon seit längerer Zeit. In Mähring wurden zuletzt noch Versuche mit einer Haldenlaugung durchgeführt, um minderwertige Erze kostensparend zu verarbeiten.

Im Fichtelgebirge wurde in Großschloppen (Gemeinde Kirchenlamitz) ein Uranvorkommen entdeckt. Es wurde zunächst von der Esso Erz mit Bohrungen erkundet, 1980 wurde dann ein Stollen angelegt. Später wurden die Arbeiten von der Saarberg Interplan Uran GmbH weitergeführt. Bei einem Urangehalt von 1 % im Erz wurden ähnlich wie in Menzenschwand Vorräte von 1500 t Uran nachgewiesen. Das bei der Erkundung anfallende Erz wurde in der Tschechoslowakei aufbereitet. Nachdem 1988 die französische Firma COGEMA die Mehrheit an der Saarberg Interplan Uran erworben hatte (heute INTERURAN), gab sie das Bergwerk 1989 wegen Unrentabilität auf und rekultivierte das Gelände.

Mit der Schließung des letzten Uranbergwerks in Menzenschwand gibt es in Westdeutschland nun keinen Uranabbau mehr. An der Versorgung der Atomkraftwerke im Lande hatte er maximal einen Anteil von 2 %, der Löwenanteil wurde schon immer importiert, aus Ländern wie Kanada, Australien und Namibia. Die Umweltprobleme beim Abbau und der Aufbereitung des Urans sowie mit den Altlasten des Uranabbaus werden somit also in die Förderländer exportiert.

 

3. Uranerzaufbereitungsanlage Ellweiler

Im rheinland-pfälzischen Ellweiler (Kreis Birkenfeld/Nahe) steht die einzige Anlage zur Aufbereitung von Uranerzen zu Yellow Cake in Westdeutschland. Sie hat nach ihrer Inbetriebnahme 1961 zunächst Uranerze aus einem benachbarten Uranvorkommen verarbeitet. Nachdem dieses sich als wenig ergiebig erwies, wurden hauptsächlich Erze aus Menzenschwand verarbeitet, daneben aber auch zeitweise Erze aus anderen westdeutschen oder französischen Lagerstätten. Betreiber der Anlage ist die niedersächsische Bergbaufirma Gewerkschaft Brunhilde GmbH.

Urananlage Ellweiler Dez. 1988
Urananlage Ellweiler Dez. 1988

Auf dem Betriebsgelände befindet sich auch ein Lager für Urankonzentrat (Yellow Cake). Dieses wird von Gewerkschaft Brunhilde im Auftrag verschiedener AKW-Betreiber geführt und enthält nur zu einem kleinen Teil das Produkt aus der eigenen Fabrikation. Dieses Lager geriet im Zuge des NUKEM/Transnuklear- Skandals ins Blickfeld der Öffentlichkeit wegen des auch dort praktizierten Tauschs von Herkunftszeugnissen verschiedener Uran-Chargen. Auf einem durch einen Zaun abgetrennten Teil des Geländes betreibt außerdem noch das Land Rheinland-Pfalz seine Landessammelstelle für schwach- und mittelaktiven Atommüll.

> Lageskizze der Urananlage Ellweiler (nach AKU Birkenfeld, Dez. 1981)

Die Rückstände aus der Uranerzverarbeitung wurden als Schlamm auf die neben der Anlage angelegten Halden gepumpt. Nach Verdunsten und Versickern des Feuchtigkeitsanteils hat das Material eine sandige Beschaffenheit.

Schlammdeponie Ellweiler Feb. 1988
Schlammdeponie Ellweiler Feb. 1988

Die Diskussion um die Auswirkungen der Schlammdeponie beschränkte sich lange Zeit auf die am Zaun der Anlage meßbare Direktstrahlung: Die höchsten Ortsdosisleistungs-Meßwerte wurden 1980 mit 1095 mrem/Jahr (10,95 mSv/a) festgestellt, das ist das Zehnfache der natürlichen Strahlung. Die Strahlenschutzverordnung läßt hier zusätzlich zur natürlichen Umgebungsstrahlung 150 mrem/Jahr (1,5 mSv/a) zu. Abgesehen von der siebenfachen Überschreitung des Grenzwerts ist es eindrucksvoll, den gemessenen Wert mit der Aussage der Atomindustrie zu vergleichen, am Zaun eines Atomkraftwerks wäre die zusätzliche Belastung kleiner als 1 mrem/Jahr: Ohne auf den Wahrheitsgehalt dieser Aussage näher einzugehen, bleibt festzustellen, daß dieser Wert am Zaun der Uranerzaufbereitungsanlage Ellweiler fast um das tausendfache überschritten wird.

Die Behörden waren jedoch im Gegensatz zu den Anliegern von diesen Werten nicht weiter beunruhigt und ordneten nur an, daß die Halden an den Seiten mit neutralem Material abgedeckt werden sollten. Dieses Abdecken wurde während der folgenden Jahre - wenn auch äußerst schleppend - nach und nach vollzogen und äußerte sich dann auch in leicht gesunkenen Meßwerten. Noch 1988 mußten die Behörden eingestehen, daß die Grenzwerte nicht eingehalten werden. Ein Grund für die Stillegung und Sanierung der Anlage war das für sie aber immer noch nicht.

Bewegung kam erst in die Sache, als anläßlich des NUKEM/Transnuklear-Skandals nicht nur der Flaggentausch im Urankonzentratlager der Anlage bekannt wurde, sondern auch die Tatsache, daß in der Anlage "uranhaltige Reststoffe" aus der Atomindustrie verarbeitet worden waren. In diesem Zusammenhang wurde im Januar 1988 auf dem Gelände ein Faß der Firma NUKEM sichergestellt, in dem eine geringe Menge Plutonium nachgewiesen wurde. Erst diese Ereignisse und die begleitenden Öffentlichkeitsaktionen der örtlichen Bürgerinitiative brachten die Behörden soweit unter Druck, daß sie sich endlich intensiver mit der Urananlage beschäftigten. Sie vertraten aber immer noch die Ansicht, daß die Urananlage alle zu ihrem Betrieb erforderlichen Genehmigungen besitze. Endlich wurden jetzt auch detailliertere Untersuchungen zu den von der Anlage und den Halden ausgehenden Umweltbelastungen eingeleitet. So wurden z.B. die von Umweltschützern befürchteten und vorhergesagten hohen Radon-Belastungen bestätigt. Es wurde auch bekannt, daß bis 1977 trockener Sand von der Schlammdeponie zu Bauzwecken in der Umgebung verwendet wurde, womit sich das Radon-Problem ausweitete.

Nun forderten die Behörden den Betreiber der Anlage auf, ein schlüssiges Sanierungskonzept für die Halden vorzulegen, andernfalls würde die Anlage wegen der hohen Radon-Emissionen der Halden geschlossen. Außerdem stellten die Behörden sich nunmehr plötzlich auf den Standpunkt, daß der Betreiber nicht die notwendige strahlenschutzrechtliche Erlaubnis für den Betrieb der Schlammhalden besitze (nachdem diese 28 Jahre lang anstandslos betrieben worden waren). Der Betreiber erklärte sich nur zur Abdeckung der Halden mit Plastikfolie bereit.

Völlig überraschend gab er im Mai 1989 bekannt, daß er die Verarbeitung von Uranerz ganz einstellen und in Zukunft nur noch Reststoffe aus der Atomindustrie in der Anlage behandeln wolle. Wie sich später herausstellte, ging es da zunächst um 20000 m3 uranverseuchter Erde und um 10000 m3 kontaminierten Gebäudeschutt aus dem abgerissenen Betriebsteil der Hanauer Brennelementefabrik NUKEM. Diese Materialien sollten vom Uran gereinigt werden, indem der Uranextraktionsprozeß auf sie angewendet wird. Die Anlage Ellweiler ist die einzige Anlage in der alten Bundesrepublik, in der solches Material aufgearbeitet werden kann. Die für Hanau zuständigen Behörden bestanden auf der Aufarbeitung dieser Altlast, bevor sie für die ehemalige NUKEM neue Genehmigungen erteilen würden. Daher bestand hier ein dringlicher Bedarf an den Kapazitäten der Ellweiler Anlage, zudem für lukrativere Geschäfte als die Uranproduktion für den übersättigten Uranmarkt. Die rheinland-pfälzischen Behörden machten ihre Androhung jedoch endlich wahr und schlossen die Anlage nach langem Tauziehen zum 31.5.1989 wegen des nicht zulässigen Haldenbetriebs.

Das weitere Wachstum der 170000 t großen Schlammhalden war damit zunächst einmal gestoppt, die Frage der Sanierung aber noch nicht im mindesten gelöst. Da der Betreiber für die Sanierung der Schlammhalden kein Konzept vorlegen konnte, das den Behörden genügte, erstellten diese selbst ein Sanierungskonzept und führten es in Ersatzvornahme unter Einsatz von 6,9 Mio.DM an Steuergeldern aus. Diese Gelder sollten vom Betreiber zurückgefordert werden, was sich wegen dessen Zahlungsunfähigkeit dann allerdings als undurchführbar erwies.

Leider genügt auch das behördliche Sanierungskonzept nicht im geringsten den zu stellenden Anforderungen: Es sah allein die Abdeckung der Halden mit einer Kunststoff-Folie und einer zusätzlichen Erdschicht vor. Damit kann zwar vorübergehend die Radon-Ausgasung vermindert werden, eine dauerhafte Maßnahme ist das jedoch nicht, da die Folie unter dem ständigen Alpha- Strahlen-Beschuß schnell durchlässig wird. Wesentliche Probleme der Halden von Ellweiler werden bei diesem Konzept aber völlig ignoriert:

Aufgrund der örtlichen Gegebenheiten ist es offensichtlich, daß die Schlammhalden nicht an Ort und Stelle saniert werden können, und schon gar nicht so, daß die Schadstoffe auf Jahrtausende sicher eingeschlossen werden. Es bleibt keine andere Lösung, als einen sicheren Ersatzstandort zu suchen.

Die Behörden ließen sich jedoch nicht von ihrem Plan abbringen und führten die Sanierung nach ihren Vorgaben durch. Der "Erfolg" ließ dann auch nicht lange auf sich warten: Schon zwei Monate nach Beendigung der auf Jahrtausende auszulegenden Maßnahme zeigten sich im Januar 1991 erste Erosionsschäden an der Abdeckung: Teile der Erdabdeckung auf den viel zu steilen Böschungen waren abgerutscht und hatten die Kunststoff-Folie freigelegt. Diese altert jedoch bei direkter Sonnenbestrahlung schnell und wird brüchig.

Damit kann dieses erste Beispiel einer ausgeführten "Sanierung" von Schlammdeponien aus der Uranerzaufbereitung in Deutschland nur als abschreckendes Beispiel dafür dienen, wie man es nicht machen soll; und es zeigt, wie wichtig es ist, vor Beginn der Arbeiten Sanierungsstandards aufzustellen und ein schlüssiges Konzept zu entwickeln. Bei den ungleich größeren Sanierungsprojekten in Ostdeutschland kann man sich solche Fehlschläge (noch dazu auf Kosten des Steuerzahlers) nicht erlauben. Der Sanierungsfall Ellweiler muß noch einmal von vorn aufgerollt werden und unter Zuhilfenahme von Experten ein Sanierungskonzept entwickelt werden, das seinem Namen gerecht wird. Dabei sollten auf jeden Fall ausländische Fachleute hinzugezogen werden, vorzugsweise solche aus den USA, da man dort die längste Erfahrung mit solchen Sanierungsprojekten hat und bisher die größte Sorgfalt beim Umgang mit den Altlasten des Uranabbaus an den Tag gelegt hat.

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